BEITRAG AUS DER HIMBEER

Vival la kita

Domi­nik Butz­mannAnja Ihlen­feld, 29.11.2019

Die Vor­stands­mit­glie­der der Eltern­in­itia­tiv­ki­ta Im Kän­gu­ru ste­hen stell­ver­tre­tend für aktu­ell 35 Kitas, die von Ver­drän­gung bedroht sind. Mit der Viva la Kita!-Kampagne möch­ten sie auf die­se Not­la­ge auf­merk­sam machen und neue Räu­me fin­den.

Jani­na Mül­ler, San­dra Arens, Anna Här­lin, Anna Lusz­za­kie­wicz und Sil­via Scho­ber enga­gie­ren sich im Vor­stand der Eltern­in­itia­tiv­ki­ta Im Kän­gu­ru, die wie vie­le ande­re Kitas und sozia­le Ein­rich­tun­gen der Gen­tri­fi­zie­rung zum Opfer zu fal­len droht. Daher haben sie die Kam­pa­gne „Viva la Kita!“ gestar­tet, mit der sich von Ver­drän­gung bedroh­te Kitas ver­net­zen und unter­stüt­zen kön­nen: vivalakita.de

Was brauchen Familien neben bezahlbarem Wohnraum am nötigsten?

Gute, wohn­ort­na­he Kita- und Schul­plät­ze ste­hen ganz oben auf der Wunsch­lis­te. Dass dar­an vor allem in den Innen­stadt­be­zir­ken Man­gel herrscht, ist wohl­be­kannt. Dass der Mie­ten­druck immer wei­ter steigt, eben­falls. Weni­ger bekannt: Sozia­le Ein­rich­tun­gen wie Eltern­i­nia­tiv­ki­tas unter­lie­gen dem ganz nor­ma­len Gewer­be­miet­recht, das bis­lang weder vor extre­men Miet­erhö­hun­gen noch vor Nicht­ver­län­ge­rung der Miet­ver­trä­ge schützt.

Letz­te­res ist der Fall bei der EKT Im Kän­gu­ru, die vor 18 Jah­ren in eine damals brach­lie­gen­de Gewer­be­flä­che in Prenz­lau­er Berg ein­zog und die­se sowie den ver­wahr­los­ten Hin­ter­hof mit viel Enga­ge­ment in eine idyl­li­sche Oase ver­wan­del­ten. Nun ver­län­gert aller­dings der Ver­mie­ter den Miet­ver­trag nicht wei­ter, sodass die Kita spä­tes­tens 2021 die Räu­me ver­las­sen muss.

Kängurus auf Raumsuche

Der Vor­stand geht mit der Situa­ti­on offen um, auch die Eltern von Kin­dern, die im Herbst neu in die Kita auf­ge­nom­men wur­den, wis­sen dar­um, dass der Fort­be­stand der Kita gefähr­det ist. Gemein­sam mit den ande­ren Eltern der ins­ge­samt 30 Kin­der und dem Erzie­her­team sind sie bereit, dafür zu kämp­fen, den Kän­gu­rus ein neu­es Zuhau­se zu ver­schaf­fen. Min­des­tens 160 Qua­drat­me­ter Innen­flä­che und Zugang zu einer Außen­flä­che mit min­des­tens 180 Qua­drat­me­tern for­dern die Auf­la­gen der Kitas­tel­le. Im Win­s­kiez behei­ma­tet, wäre es natür­lich wün­schens­wert, wenn die Kita in der Nähe blei­ben könn­te.

Lei­der ist es nahe­zu uto­pisch, sol­che Räu­me in geeig­ne­ter Lage zu einer bezahl­ba­ren Mie­te zu fin­den. Seit­dem die Eltern um das Schei­tern der Miet­ver­hand­lun­gen wis­sen, sind sie uner­müd­lich auf der Suche nach neu­en Räu­men, bis­her erfolg­los und lei­der sind die Kän­gu­ru-Fami­li­en auch nicht die ein­zi­gen, die um ihre Kita ban­gen müs­sen. Beim Dach­ver­band der Ber­li­ner Kin­der-und Schü­ler­lä­den (DaKS) häu­fen sich die Hil­fe­ru­fe.

„In den letz­ten fünf Jah­ren waren ber­lin­weit 80 Eltern­in­itia­tiv­ki­tas von Ver­drän­gung bedroht.“ Babet­te Sper­ler, DaKS

Um selbst im Fall einer erfolg­rei­chen Raum­su­che nicht in ein paar Jah­ren wie­der vor einer ähn­li­chen Situa­ti­on zu ste­hen und dem Wohl­wol­len eines Ver­mie­ters aus­ge­lie­fert zu sein, über­legt der EKT Im Kän­gu­ru e.V. auch, den Kauf pas­sen­der Räu­me mög­lich zu machen. Für den Umzug, den Aus- und Umbau von Gewer­be­flä­chen zu Kita­räu­men kön­nen im Rah­men des Lan­des­pro­gramm Kita-Aus­bau Mit­tel zur Ver­fü­gung gestellt wer­den – was nur umso deut­li­cher macht, wie absurd es ist, dass bestehen­de Insti­tu­tio­nen nicht bes­ser geschützt wer­den. Vor dem Sze­na­rio, die Kita abwi­ckeln zu müs­sen, graut es Anna, San­dra, Jani­na, Sil­via und Anna. Die­sen Gedan­ken möch­ten sie noch gar nicht zulas­sen.

Kampagne Viva la Kita! – Berliner Kita: EKT Im Känguru von Verdrängung bedroht: Vorstand aus Eltern // HIMBEER
© Domi­nik Butz­mann

Was von Eltern selbstverwaltete Kitas leisten

Das Prin­zip ist schnell erklärt – der gemein­nüt­zi­ge aus Eltern bestehen­de Trä­ger­ver­ein, bezie­hungs­wei­se des­sen Vor­stand, über­nimmt die admi­nis­tra­ti­ven Auf­ga­ben und schafft so in aller Regel einen bes­se­ren Betreu­ungs­schlüs­sel und eine fami­liä­re­re Atmo­sphä­re als oft in staat­li­chen Ein­rich­tun­gen mög­lich. Finan­ziert wer­den die Plät­ze je nach Anzahl, Alter und Betreu­ungs­um­fang der Kin­der, aller­dings erhal­ten EKTs aktu­ell nur 94 Pro­zent die­ses Kos­ten­sat­zes.

Dabei wird auf das Enga­ge­ment der Eltern gesetzt, die in ihrer Frei­zeit dazu bereit sind, für eine Zeit als Vor­stands­mit­glied die Kita zu ver­wal­ten und so drin­gend benö­tig­te Kita­plät­ze zu erhal­ten, die für die Stadt sogar güns­ti­ger in der Finan­zie­rung sind. Für berufs­tä­ti­ge Eltern wie die fünf Kän­gu­ru-Vor­stands­frau­en ist es unver­zicht­bar, ihre Kin­der wohn­ort­nah gut betreut zu wis­sen und sie hal­ten das Gan­ze für ein poli­ti­sches The­ma.

Mit­ten in der Ber­li­ner Kita­kri­se sind Plät­ze gefähr­det, die mit viel Enga­ge­ment von Eltern geschaf­fen und ver­wal­tet wer­den.

Die Zukunft kleiner Kitas nachhaltig sichern

Kitas, Schü­ler­lä­den, Jugend­zen­tren oder ande­re gemein­nüt­zi­ge Ein­rich­tun­gen kön­nen bei den Mie­ten, die für Büro- und Geschäfts­räu­me inzwi­schen ver­langt wer­den, nicht mehr mit­hal­ten. Ein Mie­ten­de­ckel, wie er für den pri­va­ten Woh­nungs­markt beschlos­sen wur­de, ist ein guter Schritt, wür­de aber im Fall der Kän­gu­rus nicht vor einer Nicht­ver­län­ge­rung des Miet­ver­trags schüt­zen. Sozia­le Ein­rich­tun­gen dem frei­en Miet­markt aus­ge­lie­fert zu las­sen, ist sicher­lich nicht im Sin­ne einer fami­li­en­freund­li­chen Stadt­ent­wick­lung.

Immer­hin hat der Ber­li­ner Senat eine Bun­des­rats­in­itia­ti­ve gestar­tet zur „Ein­füh­rung einer Gewer­be­miet­preis­brem­se in ange­spann­ten Gewer­be­raum­märk­ten“. Dar­über hin­aus soll­te geprüft wer­den, wie Bezir­ke und Senat Ein­fluss auf Ver­mie­ter neh­men oder eige­ne Flä­chen zur Ver­fü­gung stel­len kön­nen. Da ein sol­cher poli­ti­scher Pro­zess lang­wie­rig ist, das Pro­blem der Kän­gu­rus aber akut, freu­en sie sich über jede Form der Unter­stüt­zung, am meis­ten über Hin­wei­se auf pas­sen­de Räu­me.

Hinweise auf leerstehende Gewerberäume bitte an: suche@vivalakita.de


Bei­trag aus der Him­beer
https://berlinmitkind.de/stadtleben/stadtgestalten/viva-la-kita-ekt-im-kaenguru-berlin-prenzlauer-berg/

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